Not Quite Dead Yet
Unbezahlte Werbung, vielen Dank an Netgalley und Bastei Lübbe für das Rezensionsexemplar! Meine Rezension wurde davon unabhängig erstellt. „Not quite dead yet“ von Holly Jackson ist im Juli 2025 bei Lübbe erschienen und wurde von Rainer Schumacher ins Deutsche übersetzt.
Der vorliegende Roman ist der erste der Autorin, der sich an ein erwachsenes Publikum richtet. Holly Jackson wurde mit ihrer Young Adult-Reihe „A Good Girl’s Guide to Murder” bekannt. Diese wurde zudem sehr erfolgreich als TV-Serie adaptiert. Auch bei Titelheldin Jet merkt man, wie wichtig der Autorin junge Protagonist:innen sind. Sie ist zum Beginn der Handlung 27 Jahre alt, wirkt aber deutlich jünger. Angesichts der Umstände ist das nachvollziehbar. In einigen Rezensionen wird Jets angeblich unreifes Verhalten kritisiert. Mir persönlich hat das jedoch gefallen, denn gerade ihr Sarkasmus und das unorthodoxe Verhalten machen für mich das Besondere an der Lektüre aus.
Aber um worum geht’s eigentlich? Der Plot ist ungewöhnlich. Bei einem Überfall im Haus ihrer Eltern wird Jet hinterrücks erschlagen. Im Krankenhaus stellt sich heraus, dass ein Knochenfragment, das durch ihr Gehirn wandert, unweigerlich ein Aneurysma auslösen, und sie daran sterben wird. Sie hat nur sieben Tage Zeit, um ihren eigenen Mord aufzuklären, denn die Polizei legt sich zu leicht auf den Hauptverdächtigen, ihren Ex, fest. Jet ist überzeugt, dass mehr hinter dem Anschlag steckt. Daher beginnt sie, gemeinsam mit ihrem alten Freund Billy, selbst zu ermitteln.
Die Ausgangslage ist pfiffig und interessant. Wie geht man mit der Nachricht um, dass man bald sterben wird? Die hochrisikoreiche Operation wählen, die einen sehr wahrscheinlich sofort umbringt, oder die verbleibenden Tage sinnvoll nutzen? Jet entscheidet sich für letztere Variante und muss sich dadurch mit ihrer Mutter auseinandersetzen, die keine zweite Tochter verlieren will, denn Jets ältere Schwester ist vor Jahren bei einem Badeunfall gestorben. Jet wählt die Option, die es ihr ermöglicht, selbst aktiv zu bleiben. Mit dem Wissen, dass sie in wenigen Tagen tot sein wird, muss sie keine Rücksicht auf die Gefühlslage anderer Menschen nehmen. Ihre Handlungen und Worte wirken dadurch teilweise unfreundlich und harsch. Ich fand das in der Situation sehr nachvollziehbar.
Die Handlung hat mich von Anfang bis Ende gefesselt. Wird Jet es schaffen, in der kurzen Zeit ihren eigenen Fall aufzuklären? Und stirbt sie am Ende tatsächlich am Aneurysma, oder gibt es in letzter Minute eine aberwitzige Rettung. Beide Fragen werden zufriedenstellend beantwortet, aber mehr verrate ich nicht.
Fazit: Wer einen gut geschriebenen Thriller mit einem pfiffigen, außergewöhnlichen Plot sucht und Figuren mag, die nicht glattgebügelt sind, sondern Chuzpe und eine ordentliche Prise „Ist mir egal“-Attitüde aufweisen, der ist bei Holly Jacksons „Not quite dead yet“ genau richtig.