Moderner High-Fantasy Klassiker!
Unbezahlte Werbung, selbst gekauft! Erschienen ist „Blood over Bright Haven“ von M. L. Wang im Februar 2025 beim Adrian Verlag und wurde von Ulrike Brauns ins Deutsche übersetzt.
Der recht düstere High-Fantasyroman spielt in einer fiktiven Welt, in der die Kaste der Hochmagier die Elite der Gesellschaft bilden. Diese Welt wird dominiert von Magie und Männern, Frauen wurden bisher nicht zum Hohen Magisterium der Universität für Magie und Industrie zugelassen. Das ändert sich mit der ehrgeizigen Sciona, die sich nichts sehnlicher wünscht, als in diesen elitären Zirkel aufgenommen zu werden. Sie schafft es schließlich, ist aber keineswegs willkommen in der Männerrunde, teils schlägt ihr offene Feindschaft und Verachtung entgegen. Frauen mit ihren Emotionen gehören an den Herd und nicht an die Universität, so ist die männliche Meinung. Kommt uns das bekannt vor? Der Roman von M. L. Wang ist in dieser Thematik brandaktuell und hat so rein gar nichts mit Fantasy zu tun – leider!
Sciona schließt sich mit einem anderen Außenseiter zusammen, dem Putzmann Thomil, und macht ihn zu ihrem Laborassistenten. Thomil gehört der Minderheit der Kwen an, die außerhalb der Stadtmauern ein naturverbundenes, nomadisches Leben führten, bevor er mit seiner Familie vor dem sog. Feuerbrand hinter die Mauern der magischen Stadt Tiran fliehen musste. Außer Thomil und Nichte Carra überlebte niemand der Sippe die Flucht. In der Stadt sind die Flüchtlinge nur als billige Arbeitskräfte willkommen und täglichem Rassismus ausgesetzt. Auch das hört sich leider viel zu realistisch an.
Sciona und Thomil raufen sich nach und nach zusammen, die Ansichten und Lebenswelten sind zu Beginn zu weit auseinander. Aber als sie ein uraltes Geheimnis entdecken, das die Welt in ihren Grundfesten erschüttern könnte, müssen sie zusammenarbeiten, um zu überleben.
Wow, selten haben ich einen Fantasy Roman gelesen, der so brandaktuelle gesellschaftliche Themen unserer Zeit aufgreift: Unterdrückung von Frauen, Rassismus, traumatische Flüchtlingsschicksale, Zerstörung der Umwelt. Das Wordbuilding, die Figuren, der Plot, alles fügt sich großartig zusammen und ergibt ein wirklich rundherum beeindruckendes Werk. Insbesondere die Charakterentwicklung von Hauptfigur Sciona ist beeindruckend. Zu Beginn ist sie eine von Ehrgeiz zerfressene, enthusiastische Befürworterin der magischen Religion ihrer Stadt, entwickelt dann aber mit der Erkenntnis, was genau diese Magie anrichtet, ein Gewissen und handelt entsprechend. Das wird mit viel Authentizität und Brüchen geschildert, so dass ich diese Entwicklung vollkommen nachvollziehen konnte. Eine der besten Charakterentwicklungen seit langem.
Fazit: Wer sich auch im Fantasyroman gern mit aktuellen Themen auseinandersetzt, und graue, authentische Charaktere und ihre Entwicklung mag, auf ein fantastisches Worldbuilding wert legt und Spannung schätzt, der wird „Blood over bright Haven“ lieben. Absolute Empfehlung!