Eine Enttäuschung!
Unbezahlte Werbung, ebenfalls selbst gekauft! Nachdem ich den ersten Band „Yoko“ beendet hatte, war ich so im Sog der Handlung gefangen, dass ich umgehend mit der Lektüre des zweiten Bandes „John“ weitermachte. Vielleicht hätte ich besser etwas Leichtes zwischengeschoben?
Die Handlung ist auch im zweiten Band wieder sehr blutig und brutal, aber dank des ersten Bandes wusste ich, was auf mich zukommen würde. Konnte ich in „Yoko“ die Handlungsweise der namensgebenden Titelheldin noch halbwegs nachvollziehen, gelang mir das in der Fortsetzung nicht mehr. Nachdem Yoko mit neuem Namen und neuer (Geschlechter-)Identität auf einer griechischen Insel untergetaucht ist, werden die Ereignisse aberwitzig angefeuert. Mir war das tatsächlich zu viel und zu routiniert. Ich hatte das Gefühl, dass alles, was in Band eins gut ankam, in Band zwei wieder aufgewärmt werden musste. Okay, hätte ich akzeptieren können, denn genau diese gut funktionierenden Zutaten haben mich ja in „Yoko“ bei der Stange gehalten. Was ich aber an „John“ überhaupt nicht mochte, war die Art und Weise wie die Protagonistin von der sensiblen, aber toughen Frau und Lesbe zur handzahmen, verliebten Hetero-Frau mutiert.
Eine zentrale Antriebskraft in Yokos Rachefeldzug ist der Wunsch, die große Liebe Maren zu rächen. In „John“ begegnet sie im Laufe der Handlung Pierre, der sie erst mal ein paar Tage ohne Nahrung und Wasser in einen Keller sperrt. Das scheint Yoko so nachhaltig zu beeindrucken, dass sie sich ihm förmlich zu Füßen wirft und sich kopflos in ihn verliebt. BITTE WAS? Ja, richtig gehört. Sowas will ich 2025 nicht mehr lesen. Auch nicht in einem Thriller, der das Kapitel Pierre wenige Seiten später angemessen genretypisch beendet. Trotzdem hätte ich die Lektüre hier beinahe abgebrochen. Allein der Wunsch zu wissen, wie das Ganze endet, hat mich weiterlesen lassen. Der Showdown hat mein Durchhaltevermögen allerdings nicht honoriert, weil zu vorhersehbar. Alles in allem fällt mein Fazit für „John“ recht ernüchternd aus. Band eins war prima und hätte der würdige Abschluss sein sollen. Band zwei war für mich ärgerlich und verzichtbar.