Entschleunigte Fantasy ohne Spice und epische Schlachten!

Julie Leong: Die Wahrsagerin kleiner Schicksale

Unbezahlte Werbung: selbst gekauft! Die Ausgabe der Bücherbüchse ist so wunderschön gestaltet, dass meine Impulskontrolle Schnappatmung bekam. Julie Leongs cozy Fantasy „Die Wahrsagerin kleiner Schicksale“ ist 2025 im Heyne Verlag erschienen.

Handlung und Aufbau

Die junge Magierin Tao fährt mit ihrem Planwagen und Maultier Laohu über die Dörfer und sagt den Menschen kleine Schicksale voraus. Eigentlich ist sie eine talentierte Wahrsagerin, aber nachdem sie den Tod ihres Vaters voraussah, meidet sie den Blick in die bedeutungsvollen Schicksalswege. 

Die Geschichte entfaltet sich in einem angenehm entschleunigten Tempo. Tao ist eine Protagonistin, die das Alleinsein gewohnt ist, bis sie auf eine ungewöhnliche Gruppe von Reisenden trifft: einen ehemaligen Söldner, eine junge Bäckerin, einen geläuterten Dieb und eine exzentrische Katze. Gemeinsam bilden sie eine „Found Family“, die den Kern des Romans ausmacht. 

Der Autorin gelingt es in meinen Augen sehr überzeugend, die wachsende Vertrautheit zwischen der bunt zusammengewürfelten Reisegruppe und die heilende Kraft von Gemeinschaft darzustellen, ohne in allzu kitschige Klischees zu verfallen.

Spannung und Weltgestaltung

Was das Buch besonders auszeichnet, ist die Weltgestaltung. Anstatt auf epische Schlachten setzt die Autorin auf eine dichte Atmosphäre und sinnliche Details. Man riecht förmlich die frisch gebackenen Scones und spürt den Staub der Landstraße. Die Empathie und die Gefühle der einzelnen Figuren füreinander ist der eigentliche Fokus der Geschichte. Leong erinnert uns daran, dass das Glück oft in den kleinen, unscheinbaren Dingen des Lebens liegt. Entsprechend unaufgeregt ist der Höhepunkt der Geschichte und die Auflösung der verschiedenen roten Fäden.

Fazit

Julie Leong hat mit „Die Wahrsagerin kleiner Schicksale“ ein literarisches Äquivalent zu einer warmen Tasse Schokolade an einem winterkalten Nachmittag geschaffen. Wer rasante Action und komplexe politische Intrigen sucht, wird hier nicht fündig. Doch für Leser:innen, die beispielsweise die Werke von Becky Chambers lieben, ist dieser Roman eine Empfehlung.